Tötet nicht die Überbringer der Nachrichten

Schon die alten Griechen wussten, der Überbringer von Nachrichten kann für ihren Inhalt nichts. Den Überbringer schlechter Nachrichten zu töten macht unsere Welt nicht besser. Trotzdem ist diese schlechte Sitte nicht ausgestorben.

Würde ich ein Telefonunternehmen verklagen wollen, weil ein Erpresser über deren Telefonleitungen eine Erpressung durchführt, dann würde mich der Richter wohl eher auslachen. Auch den Staat verklagen, weil ein Terrorist deren Autobahn benutzt, oder den Autovermieter verklagen, weil der Terrorist bei denen das Auto gemietet hat, hätte wohl wenig Erfolg vor Gericht.

Nun, warum denken die Menschen dann beim Internet anders? Internetdienstanbieter oder Telekommunikationsdiensteanbieter. Wo ist da der Unterschied? Beide bieten Informationsübermittlung über elektrische Leitungen an. Mehr nicht. Für den Inhalt kann und sollte man nicht die Boten verantwortlich machen. Unsere Verkehrs- und Informationsnetze würden alle zusammenbrechen, wenn wir anfangen die Betreiber dieser für jeden Unsinn zu belangen, die über Ihre Netze läuft.

Ich mag keine Sperren, Verbote, Filter, Ausblendungen, Kürzungen und dergleichen. Ich möchte auch die Spinner dieser Welt sehen. Ich brauche keine Staatlich verordneten Scheuklappen, sondern verantwortungsvolle Bürger die sich bewusst auch über die negativen Dinge informieren. Ich will die Extremen dieser Welt sehen, damit ich weiß was alles noch an dieser Welt zu verbessern ist. Ein gefiltertes Problem ist KEIN gelöstes Problem! Den Müll unter den Teppich kehren macht nicht sauberer!

Das Problem in dieser Welt ist nicht die Sichtbarkeit von schlechten Dingen, sondern ihre Entstehung. Und den Dingen auf den Grund gehen, kann ich nur, wenn ich von ihnen weiß.

Also, tötet nicht die Überbringer schlechter Nachrichten. Ändert lieber die Gründe ihres Entstehens.

Eurer ungefilterter,
H.-E. Gaßner